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Neue Europa-Nomen (EN)

 

Dir.-Stv. Ing. Helmut Peherstorfer

 

An den Beginn der Betrachtungen über die neue Europa-Norm (EN) sei ein berühmt gewordener Ausspruch eines österreichischen Politikers gestellt: „Es ist alles sehr kompliziert“.

 

Obwohl die gewohnte und bewährte ÖNORM nicht von heute auf morgen abgelöst wird, sollte man sich doch zeitgerecht über die neuen Normen, die im Zuge der Vereinheitlichung des europäischen Bauwesens schrittweise kommen werden, informieren. In diesem Beitrag wollen wir dies anhand von Beispielen tun.

 

Bekanntlich beinhalten die österreichischen Bauordnungen die Begriffe brandhemmend, hochbrandhemmend und brandbeständig. Diese stehen jedoch nicht immer im Einklang mit den ÖNORM-Begriffen, was in der gewachsenen Entwicklung der Baugesetze begründet ist. Die Brandwiderstandsklassen nach der ÖNORM kommen im allgemeinen als anerkannte Regeln der Technik dort zur Anwendung, wo diese mit den Begriffen der Bauordnung übereinstimmen. Gültig sind sie stets für die Brandwiderstandsklassen von Wänden und Decken (z.B. F 30, F 60, F 90) oder für Brandschutzabschlüsse (z.B. T 30).

 

Neue Buchstabenkombinationen und ihre Bedeutung:

Im Entwurf des Grundlagendokumentes Brandschutz (Essential Requirement – SAFTY IN CASE OF FIRE, Document TS 2/021) sind die neuen Brandwiderstandsklassen für Bauteile festgelegt. Man unterscheidet zwischen tragenden und nichttragenden Bauteilen, wobei die Buchstabenkombinationen REI für die französischen Begriffe Resistance, Etancheite und Isolation stehen.

 

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REI-Zeit                  erfüllt die Kriterien der Tragfähigkeit, Dichtheit und Wärmedämmung

RE-Zeit                   erfüllt die Kriterien der Tragfähigkeit und Dichtheit

R-Zeit                     erfüllt nur das Kriterium der Tragfähigkeit

 

Für nichttragende Bauteile entfällt der Buchstabe R, wodurch es folgende Kombinationen gibt:

 

EI-Zeit                    erfüllt die Kriterien Dichtheit und Wärmedämmung

E-Zeit                     erfüllt das Kriterium Dichtheit

 

Erheblich mehr Zeiten:

Die Zeiteinteilung ist sehr differenziert und umfasst 15, 20, 30, 45, 60, 90, 120, 180, 240 und 360 Minuten, gegenüber den 30, 60, und 90 Minuten der ÖNORM, also deutlich mehr.

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Aus den Buchstabenkombinationen und den Zeiten werden die Brandschutzklassen definiert:

REI 15, REI 30, etc.. oder RE 15, RE 20, RE 30, etc. sowie R 15, R 20, R 30, etc.

 

Die Einstufung erfolgt nach der bei der Brandprüfung ermittelten Brandwiderstandsdauer, wobei die Abstufung nach unten erfolgt (aus der Brandwiderstandsdauer von 155 Minuten wird die Brandwiderstandsklasse 120).

 

Die Prüfung erfolgt nach Europäischen Normen (EN), die im Europäischen Komitee für Normung (CEN) bearbeitet und als ÖNORMEN-EN erhältlich sein werden. Darin ist die Einheitstemperaturkurve mit der ÖNORM-Kurve identisch, da in beiden Fällen die Temperaturkurve der internationalen Normung (ISO) entspricht.

 

Weitere Buchstaben für weitere Aussagen:

Zu den Buchstaben REI – und ihren verschiedenen Kombinationen – kommen noch weitere hinzu, die ihrerseits wiederum bestimmte Merkmale und Eigenschaften bezeichnen:

W         =            Wärmestrahlung

M         =            besondere mechanische Anforderungen

C          =            automatische Schließvorrichtung

S          =            Leckrate für Brandrauch

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Dazu folgendes Beispiel:

Ein tragendes Wandelement erfüllt bei der Brandprüfung die Anforderungen während

 

155              Minuten hinsichtlich Tragfähigkeit

  80               Minuten hinsichtlich Dichtheit

  42              Minuten hinsichtlich Wärmedämmung

 

Daraus ergeben sich folgende Kombinationen zur Einordnung in die Brandwiderstandsklassen:

 

R 120   für die Tragfähigkeit (155 Minuten auf 120 Minuten abgerundet)

RE 60   für die Tragfähigkeit und Dichtheit (80 Minuten auf 60 Minuten abgerundet)

REI 30  für die Tragfähigkeit, Dichtheit und Wärmedämmung (42 Minuten auf 30 Minuten abgerundet)

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Ursachen für die Normenflut:

Im Vergleich zu den 36 Önorm-Brandwiderstandsklassen wird es künftig mindestens 230 EN-Klassen geben (siehe Tabelle). Diese Vermehrung ergibt sich sowohl durch die Aufspaltung von F in REI als auch durch zusätzliche fünf Klassen (15, 20, 45, 120 und 240 Minuten). Ursache hierfür ist die „Bauproduktionsrichtlinie“ der EG (89/106/EWG vom 21. Dezember 1988), die Grundlage für den freien Warenverkehr von Bauprodukten ist. Diese legt im Artikel 3 fest, dass die auf einzelstaatliche, regionaler Ebene bestehenden unterschiedlichen Klassen vom Schutzniveau zu berücksichtigen sind.

Die im Grundlagendokument Brandschutz, einem internen Papier der Bauproduktionsrichtlinie, ausgewiesenen Klassen stellen die Summe aller in den heutigen EU-Mitgliedstaaten vorhandenen Richtlinien dar. Dadurch finden sich alle EU-Mitglieder mit ihren Schutzniveaus in dieser Klasse wieder.

 

Schlussbemerkung:

Die hier behandelten Klassen beziehen sich ausschließlich auf den Brandwiderstand von Bauteilen. Für die Klassifizierung hinsichtlich Brandverhalten von Baustoffen liegen EN-Entwürfe vor, die jedoch noch keine Gültigkeit haben.

Grundsätzlich bedürfen die Bauordnungen mit Rücksicht auf EU-Bestimmungen einer Überprüfung und allenfalls einer entsprechenden Anpassung. Alle verwendeten Klassen müssen mit den jeweiligen EU-Klassen nach der Europa-Norm konform sein, um technische Handelshemmnisse auszuschließen. Die Neuschaffung technischer Bestimmungen oder die Angleichung an ein anderes Sicherheitsniveau ist in diesem Zusammenhang erforderlich.  

 

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ÖNORM B8201 – Betriebsdichtheitsprüfung

Rauch- und Abgasfänge

Prüfung auf freien Querschnitt und auf Betriebsdichtheit

 

Ausgabe 2000-12

Anwendungsbereich:

Prüfung von Rauch- Abgasfängen und festverlegten V-Stücke (betrifft nicht Kehr- u. Putztürchen – Anmerkung)

Prüfung freier Querschnitt bei engen und mittleren Fängen (bis 2000 cm2)

Betriebsdichtheit bei Unterdruck- und Überdruckbetrieb

Kann auch bei Luftfängen angewandt werden

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Zeitpunkt der Prüfungen:

neu errichtete Fänge nach deren Fertigstellung (bei Überdruckbetrieb nach Rücksprache mit dem RFGKM auch vor dem Schließen der Montageöffnung)

bei Neuanschluss oder Austausch einer Feuerstätte, außer die letzte Betriebsdichtheitsprüfung fand innerhalb der letzten 12 Monate statt

im Gebrechensfall: Bränden, Rußbrand, Rauchbelästigungen, Erschütterungen

Nach Instandsetzung von Fängen

Regelmäßige Überprüfung:

Unterdruckbetrieb: alle 10 Jahre Betriebsdichtheitsprüfung

Überdruckbetrieb: jährlich eine optische Kontrolle des V-Stückes

Überdruckbetrieb: alle 5 Jahre Betriebsdichtheitsprüfung

nicht benützte Fänge in Fanggruppen: anlässlich der HPÜ, Feuerbeschau oder Hauptkehrung auf freien Querschnitt prüfen

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Prüfung freier Querschnitt:

sowohl Putz-, Hilfs- als auch Kehrtürchen oder Mündung müssen zugänglich sein

Prüfung mittels Prüfkugel mit Durchmessern in ganzen Zentimetern

über die ganze Länge durchgehende Prüfkugel plus 1 cm ergibt den freien Querschnitt des Fanges

Betriebsdichtheitsprüfung für Unterdruckbetrieb:

bei einschaligen Fängen sollte die Prüfung mittels Raucherzeugung erfolgen – Ausnahme möglich, wenn Aufenthaltsräume nicht zugänglich

bei mehrschaligen Fängen sollte die Prüfung mittels Überdruck erfolgen – Ausnahme möglich

beträgt die Leckrate mehr als 2/3 des zulässigen Wertes so ist eine optische Überprüfung des Fanghohlraumes mittels Kamera durchzuführen

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Betriebsdichtheitsprüfung für Überdruckbetrieb:

bei mehrschaligen und sanierten Fängen ist die Betriebsdichtheit mittels Leckratenprüfung festzustellen

bei mehrschaligen Fängen mit Verbrennungsluftzuführung im Ringspalt (Gegenstromprinzip) für Gasgerätetyp C6 Betriebsdichtheit mittels Leckratenprüfung kontrollieren

bei konzentrischen Luft-Abgasführungen für C-Geräte (Abgasführung mit dem Gerät geprüft) ist die Betriebsdichtheit mittels Ringspaltmessung zu überprüfen

Prüfung mittels Raucherzeugung Vorbereitungsarbeiten:

der Fang sowie alle angrenzenden Räume müssen frei zugänglich sein

Anschlussstellen und Öffnungen dicht verschließen

Fang vorwärmen / aufheizen, dabei ist die Temperaturbeständigkeit der verbrennungsgasführenden Teile zu beachten

der Rauch darf das Innenrohr nicht beschädigen

bei Fanggruppen ist in den anderen Fängen Auftrieb zu erzeugen und die Feuerstätten dürfen nicht in Betrieb sein

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Prüfung mittels Raucherzeugung Durchführung

Anzahl der Prüfer und sachkundige Hilfspersonen bis zu 3 Geschosse 2 Personen je weitere 1 - 3 Geschosse 1 Person

Erzeugung einer durchgehenden Rauchsäule

Beim Kehrtürchen oder Mündung abdecken, bis auf 2cm runde Öffnung

Raucherzeugung so steuern, dass im zu prüfenden Bereich Rauchauftrieb erhalten bleibt

Augenmerk auf: Nachbarfänge, Fußboden- Deckenkonstruktionsteile, Elektroinstallation, Schalter, 

Verteilerkästen Tür- u. Fensterstöcke in Fangnähe etc

Dauer 10 bis 20 min. bei Rauchaustritt Abbruch der Prüfung

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Leckratenprüfung Vorbereitungsarbeiten:

Leckratenprüfgerät ist jährlich auf Funktionsfähigkeit zu prüfen

Mindestbestandteile: Manometer, Druckerzeuger, Durchflussmesser

Anschlussstellen und sonstige Öffnungen wie Kondensatablauf, Messöffnung etc. dicht verschließen

Zusätzliches Abdichten von Reinigungsöffnungen für Fänge mit Überdruckbetrieb ist nicht zulässig

Leckratenprüfung   Durchführung:

konstanten Überduck im Fang herstellen

Volumenstrom zur Aufrechterhaltung des Druckes ermitteln

Es dürfen im Prüfraum keine Feuerstätten oder Entlüftungen in Betrieb sein

Leckrate bei Überduckfängen bei 200 Pa Prüfdruck 0,006 l/s.m²

Leckrate bei Unterdruckfängen bei 40 Pa Prüfdruck 2 l/s.m²

Kann der Prüfdruck nicht aufgebaut werden ist die Prüfung abzubrechen

Prüfprotokoll

 

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Leckraten Überdruck:



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Leckraten Unterdruck:



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Leckraten Prüfgerät für Unterdruckbetrieb:



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Ringspaltmessung für C³ Geräte:



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genaue Bestimmung des O2 - Gehaltes an Raumluft- unabhängigen Gasfeuerstätten mit konzentrischer Abgasführung

Mehrloch- bzw. Ringspaltsonde
Messung des O2- oder CO2-Volumens der Verbrennungsluft im Ringspalt zwischen Abgassinnenrohr und angrenzender Schale
Nullpunkteinstellung – Kalibrierung des Messgerätes mit Außenluft
Feuerstätte in Betrieb nehmen,
mind. 3 Minuten
Messung knapp vor der Feuerstätte
Betriebsdichtheit gegeben bei:
CO2-Gehalt max. 0,4 Prozent Volumen
CO2-Gehalt max. 0,2 Prozent Volumen
Prüfbericht

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